Vereinsgeschichte
Von 1932 bis heute: über 90 Jahre Kleintierzucht in Marbach
Am 21. Dezember 1932 gründeten 15 Züchter in der Gaststätte "Rebstöckle" den Kleintierzuchtverein Marbach/N. Aus dieser kleinen Runde ist über neun Jahrzehnte eine lebendige Vereinsgemeinschaft geworden, die bis heute in der Poppenweilerstraße besteht. Die folgende Chronik fasst die wichtigsten Stationen zusammen.
Quelle: Vereinschronik "75 Jahre Kleintierzucht in Marbach/N" (1932–2007). Für die Zeit danach gelten die aktuellen Angaben im Impressum.
1932–1939
- 21.12.1932
Gründung in der Gaststätte "Rebstöckle". Aus der Gründerzeit existieren leider keine schriftlichen Unterlagen mehr; der Gründungsveranstaltung ging ein Aufruf in der Marbacher Zeitung voraus. Initiator war Karl Ebinger, der schon mehrere Jahre versucht hatte, einen Kleintierzuchtverein ins Leben zu rufen. Zu dieser Versammlung fanden sich 15 Züchter ein. Von den Gründungsmitgliedern sind noch folgende Namen bekannt: Karl Ebinger, Herrmann Hilbert, Karl Klotz und Herrmann Wagner. Karl Ebinger wurde sogleich zum ersten 1. Vorsitzenden des Kleintierzuchtvereins gewählt.
- 1932
Noch im selben Jahr wurde die Gründung dem Landesverband gemeldet, der Verein erhielt die noch heute gültige Vereins-Register-Nr. "Z99" – daher der Name im heutigen Vereinsnamen.
- 1933
Um einer Gründung eines eigenständigen Ziegenzuchtvereins zuvorzukommen, eröffnete Karl Ebinger eine "Ziegenzuchtgruppe" innerhalb des Kleintierzuchtvereins – ein weiser Entschluss, denn die Ziegenzuchtgruppe war über viele Jahre hinweg eine der tragenden Säulen des Vereins. Die erste Lokalschau fand in der städtischen Turnhalle (später Hafnerhalle) statt; dazu mussten die ersten Ausstellungskäfige angeschafft werden, die noch Jahre lang ihren Dienst taten. Als Preisrichter wurde Herr Vogel verpflichtet, der für seine Dienste 9 Reichsmark bekam – viel Geld, wenn man bedenkt, dass der Mitgliedsbeitrag 25 Pfennig im Jahr betrug. Daher war es notwendig, für die Ausstellung Eintritt zu verlangen; eine Lotterie aus Spenden wurde ebenfalls schon durchgeführt.
- 1934
Der Verein hatte bereits 113 Mitglieder. Die ersten 104 Kaninchen wurden tätowiert, das Tätowiergeld betrug 10 Pfennig pro Kaninchen.
- 1935
Marbacher Kleintierzüchter stellten erstmals auf der Kreisausstellung aus. Auch die Lokalschau war inzwischen eine feste Institution in Marbach; die Ziegenzüchter schickten ihre Tiere auf regionale Ausstellungen.
- 1936
Erstmals fand ein "Hasenessen" für die Vereinsmitglieder statt – eine Tradition mit langem Bestand, die bis Anfang der 1970er-Jahre regelmäßig durchgeführt wurde.
- 1937
Erstmals fanden 2 Ausstellungen statt, eine davon in Erdmannhausen.
- 1938
Erstmals fand ein größerer Vereinsausflug statt.
- 25.06.1939
Eine Ausstellung in Murr – auch hier wollte man, wie schon 1937 in Erdmannhausen, die Kleintierzucht in den umliegenden Gemeinden bekannt machen.
1940–1949
- 1940–1945
Wegen des Krieges gab es kaum Aktivitäten im Verein. Es wurden zwar noch sporadisch Ausstellungen durchgeführt, die aber in den späten Kriegsjahren gänzlich ausfielen. 1945 waren von ca. 60 Mitgliedern (inkl. Frauen) 24 als Soldaten im Krieg, wovon viele auch gefallen sind.
- 1946
Man versuchte einen "Neubeginn": Dazu wurde eine Mitgliederversammlung im Gasthof "Schiller" abgehalten. Zu dieser Zeit musste jede Versammlung erst bei der Militärregierung beantragt werden (Mitgliederstand 67, wobei 11 Mitglieder noch nicht aus dem Krieg heimgekehrt waren).
- 1947
Erstmals wurde eine Jungtier- und Lokalschau durchgeführt. Die Ziegenzuchtgruppe war inzwischen Mitglied im Ziegenzuchtverband, ihr Zuwachs war in dieser Zeit enorm – die Ziegenzucht diente damals hauptsächlich der Fleischgewinnung. Deshalb stieg auch die Mitgliederzahl auf 104 an.
- 1948
Der Verein veranstaltete erstmals eine Tanzveranstaltung. Eine erste eigene Ziegenausstellung wurde gemeinsam mit der Jungtierschau durchgeführt.
- ab 1949
Ab nun fanden jährlich regelmäßige Tanzveranstaltungen statt (12.02.1949 im "Bären"). Vorträge fanden nun auch des Öfteren statt – dies war der Verdienst der beiden Vorstände Karl Ebinger (1. Vorsitzender) und Willy Haist (2. Vorsitzender), die solche Veranstaltungen regelmäßig organisierten. Der Verein hatte zu dieser Zeit 104 Mitglieder, davon züchteten 50 Mitglieder Ziegen, 50 Mitglieder Kaninchen und 13 Mitglieder Geflügel.
1950–1965
- 1950–1954
Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Ausstellungen, Ausflüge und Vorträge wurden regelmäßig veranstaltet. Die Ziegenzucht war wieder leicht rückläufig (noch 27 Ziegenzüchter).
- ab 1955
Ab nun fanden regelmäßig Himmelfahrtswanderungen statt. Auch wurden immer öfter Lichtbildervorträge gehalten. Stammlokal zur Durchführung von Versammlungen war nun die Gaststätte "Bahnhof". Der Mitgliederstand ging auf 57 zurück, die Ziegenzüchtergruppe wurde immer kleiner.
- 16.–17.11.1957
Die Jubiläums-Lokalschau fand in der städtischen Turnhalle statt. Am Samstag, den 16.11.1957, wurde eine Jubiläumsveranstaltung mit Rahmenprogramm in der Spielplatzhalle durchgeführt (25 Jahre Kleintierzuchtverein Marbach). 1957 wurden 373 Kaninchen tätowiert.
- 1958–1962
Keine besonderen Vorkommnisse.
- 1962
"30-jähriges Jubiläum" wird gefeiert. Ziegenzucht wird nahezu nicht mehr betrieben.
- 1963
Pachtvertrag mit der Stadt Marbach auf 99 Jahre für das Grundstück in der Poppenweilerstraße (heutige Zuchtanlage). Der Kleintierzuchtverein wird Mitglied im Spielplatzverein – der Verein hat damit das Recht, mindestens einmal im Jahr eine Veranstaltung in der Spielplatzhalle durchzuführen. Manfred Schmidt wird zum 2. Vorsitzenden gewählt.
- 1964
Ein ereignisreiches Jahr: Der Kleintierzuchtverein wird ins Vereinsregister eingetragen. Bei der Jahreshauptversammlung werden Manfred Schmidt zum 1. Vorsitzenden und Willi Zeller zum 2. Vorsitzenden gewählt. Karl Ebinger ist nach 18 Jahren als 1. Vorsitzender von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Karl Ebinger und Willy Haist werden zu Ehrenmitgliedern ernannt; kurz darauf ist Willy Haist völlig unerwartet im Oktober verstorben. Beginn der Bauaktivitäten auf dem Vereinsgelände (Schuppen und vereinseigene Zuchtanlage). Mitgliederstand wieder steigend (73).
- ab 1965
In der Faschingszeit finden ab nun regelmäßige Kappenabende statt. Die Satzung wird bei der Jahreshauptversammlung einstimmig verabschiedet, Karl Ebinger wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Jahresausflüge werden ab 1965 regelmäßig veranstaltet.
- 23.09.1965
Die Satzung wird bei der Jahreshauptversammlung einstimmig beschlossen und der Verein offiziell als eingetragener Verein (e.V.) im Vereinsregister des Amtsgerichts Stuttgart geführt (VR 310162).
1966–1982
- 1966
Die größte jemals veranstaltete Lokalschau fand in der städtischen Turnhalle statt: Es wurden 420 Tiere gemeldet, 540 Kaninchen tätowiert.
- 07.05.1967
Am Sonntag wurde erstmals ein Kleintiermarkt durchgeführt. Der Mitgliederstand betrug zu diesem Zeitpunkt 86.
- 1968 & 1970
In diesen Jahren war der Kleintierzuchtverein Marbach/N Ausrichter der Kreisjungtierschauen. Die Ausstellung war auf 700 bzw. 600 Tiere begrenzt; trotzdem kamen an beiden Veranstaltungen jeweils ca. 150 Aussteller.
- 1972
Im Jubiläumsjahr (40 Jahre Kleintierzuchtverein Marbach) wurde die erste der sechs Vergleichsschauen mit Benningen und Affalterbach in Marbach durchgeführt; diese Vergleichsschauen fanden mit jährlich wechselnden Veranstaltungsorten bis 1977 statt (ab 1974 sprang Großbottwar für Affalterbach ein). 1972 war zugleich für die Stadt Marbach ein Jubiläumsjahr (1000 Jahre Marbach/N) – es wurde das 1. Marbacher Bürgerfest veranstaltet, an dem sich auch der Kleintierzuchtverein beteiligte. Weitere vier Ausstellungen fanden in diesem Jubiläumsjahr statt (Jungtierschau, Kreisjugendschau, Jubiläums-Lokalschau und schließlich noch eine Farbenzwerg-Sonderschau). Ab sofort nennt sich der Verein "Kleintierzuchtverein und Vogelfreunde e.V." (die Sparte Vogelfreunde wurde gegründet).
- ab 1973
In den darauffolgenden Jahren wurden jährlich im Herbst Vogelschauen in der alten Turnhalle veranstaltet.
- ab 1974
Die Kleintiermärkte wurden nun monatlich durchgeführt. Im Vorstand wurde auch ein Wechsel vollzogen: Manfred Schmidt trat nach 12 Jahren als 1. Vorsitzender von seinem Amt zurück. Auch der 2. Vorsitzende musste neu gewählt werden – Erwin Ulmer wurde 1. Vorsitzender, Lothar Weller 2. Vorsitzender.
- 21.12.1975
Der langjährige Vorstand, Ehrenvorstand und Gründer des Vereins, Karl Ebinger, ist verstorben.
- 1975–1976
1975 wurde schon wieder eine Neuwahl des ersten Vorsitzenden notwendig. Am 02.04.1976 wurde Johann Eberle zum 1. Vorsitzenden gewählt. In diesem Jahr hatte der Kleintierzuchtverein den höchsten Jugendmitgliederstand in der Vereinsgeschichte (25!) – diese Zahl wurde danach nie mehr erreicht.
- bis 1982
Bis 1982 gibt es nichts Erwähnenswertes zu berichten. Am 21.12.1982 feierte der Kleintierzuchtverein sein 50-jähriges Bestehen; dazu wurde eine Jubiläumsschau mit Bietigheim angesetzt.
1983–2007
- bis 1992
In den Folgejahren bis 1992 gibt es nichts Erwähnenswertes zu berichten; in dieser Zeit fanden nur zwei Vorstandswechsel statt. Johann Eberle war bis 1983 1. Vorsitzender, von 1984–1987 lenkte Helfried Füssel die Geschicke des Vereins, von 1988–1992 war Klaus Heinzelmann 1. Vorsitzender.
- 1993
Bereits wieder ein Wechsel an der Vereinsspitze: Als neuer 1. Vorsitzender wurde Erich Horntasch von den anwesenden Mitgliedern gewählt. 1993 wurde Kurt Schwechheimer zum Ehrenmitglied ernannt, 1995 bekam er zudem die Goldene Ehrennadel für 40-jährige Vereinsmitgliedschaft vom Verband.
- späte 1990er bis frühe 2000er
Diese Jahre waren Jahre der Ruhe. Die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen wie Tiermärkte und Ausstellungen waren Routine und immer ein Erfolg; auch die Qualität der auf Vereins-, Landes- und Bundesebene ausgestellten Tiere konnte sich sehen lassen. Das Vereinsleben verlief meistens harmonisch. Die Mitgliederzahl ging zwar ständig zurück und auch an Jugendzüchtern kam nichts nach – der Stand betrug zu dieser Zeit noch 42 Mitglieder. Seit 2000 nimmt der Kleintierzuchtverein jährlich an dem in der Marbacher Fußgängerzone stattfindenden Ostermarkt teil; diese Veranstaltung ist eine gute Werbung für den Verein und kommt auch bei der Bevölkerung gut an.
- ab 2002
Es kamen etwas unruhigere Zeiten auf den Kleintierzuchtverein zu. Da die Landstraße nach Poppenweiler umgebaut wurde, bestand die Möglichkeit, den langersehnten Stromanschluss zu bekommen – dies war zwar eine große finanzielle Belastung für den Verein, aber dem Anschluss wurde einstimmig zugestimmt, und heute zweifelt niemand mehr daran, dass der Entschluss damals richtig war.
- 2002–2003
In diesen Jahren wurde mehrmals ins Vereinsgelände eingebrochen (davon zweimal ins Vereinsheim). Durch diese mutwillige Beschädigung entstand ein größerer Schaden als durch den Wert des Gestohlenen.
- 2003–2006
In diesen Jahren waren Vogelgrippe bzw. Geflügelpest das aktuelle Thema bei allen Kleintierzüchtern. Auch der Verein wurde hautnah damit konfrontiert: Es mussten immer wieder Tiermärkte abgesagt werden, und an der Lokalschau 2005 wurden nur noch Kaninchen gezeigt.
- 2007
75-jähriges Vereinsjubiläum. Erich Horntasch wurde bei der Jahreshauptversammlung auf weitere zwei Jahre zum 1. Vorsitzenden gewählt und führte zu diesem Zeitpunkt bereits seit 15 Jahren den Kleintierzuchtverein.
2008–2026
- 2008–2025
Erich Horntasch führt den Verein weiterhin als 1. Vorsitzender – insgesamt über drei Jahrzehnte.
- 2025
Der langjährige 1. Vorsitzende Erich Horntasch ist leider im Jahr 2025 verstorben – während er noch das Amt des Vorsitzenden innehatte. Über 32 Jahre lang hat er die Geschicke des Vereins gelenkt und ihn wie kaum ein anderer geprägt. Der Verein wird ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren.
- 2026
Ümit Ergün übernimmt als neuer 1. Vorsitzender.
Die 1. Vorsitzenden
Bis 2007 laut Vereinschronik, danach fortgeführt bis heute.
- Karl Ebinger (Gründer, † 1975)1932–1964
- Manfred Schmidt1964–1974
- Erwin Ulmer1974–1976
- Johann Eberle1976–1983
- Helfried Füssel1984–1987
- Klaus Heinzelmann1988–1992
- Erich Horntasch1993–2025
- Ümit Ergünseit 2026
Diese Chronik beruht auf der Original-Vereinschronik "75 Jahre Kleintierzucht in Marbach/N" (1932–2007), deren handschriftliche und getippte Seiten hier als durchgehender Text wiedergegeben sind.